MORE: Vodafone & the revolution

Das Video kann auf den meisten Seiten nicht mehr gesehen werden – aufgrund des „Urheberrechtsanspruches“ hat Vodafone es von Youtube und anderen Internetseiten löschen lassen. (Ein paar kluge Leute haben es rechtzeitig kopiert, hier ist es noch online…) Es hat auch für genug Ärger gesorgt: Das dreiminütige Werbevideo kombinierte eine alte Werbung für ein neues Vodofone-System, das am 1. Januar startete, mit Revolutionsbilder und Aussagen wie: „3 Wochen später startete die Revolution.“ „Wir haben den Leuten nicht gesagt, dass sie auf die Straße gehen sollen. Wir haben die Revolution nicht gemacht.“ Aber: „Wir haben den Menschen nur gezeigt, wie stark sie sind.“ Aha, so war das also…

Unter Aegyptens Aktivist_innen brach ein Sturm der Empoerung los, als das Video bekannt wurde. Denn Vodafone, der wichtigste Telefonanbieter in Aegypten, hatte nicht nur eng mit Mubaraks Regime kooperiert und diesem u.a. Daten ueber Oppositionelle geliefert, sondern waehrend der Revolution auch ohne Widerspruch auf Anweisung Mubaraks die Telefonnetze abgeschaltet, inklusive Notfallnummern – so dass viele Verletzte starben, weil kein Krankenwagen gerufen werden konnte. Zudem erlaubte Vodafone der Regierung, waehrend der Abschaltung weiterhin Pro-Mubarak Propaganda ueber sein Netz an alle Handynutzer zu schicken. Eine sehr spannende Grafik zeigt, wie und in welcher Reihenfolge die Abschaltung ablief.

Ueber Twitter und Facebook, in Zeitungen und im Fernsehen wurde Vodafone kritisiert – auch ausserhalb Aegyptens, wie Artikel in der Sueddeutschen oder dem Guardian zeigen. Die Kommentare reichten von eher spassig bis bitterboese: „unethisch“ sei der Werbespot, schimpft Google-Manager und Revolutionsikone Wael Ghonim, „und die haben meinen Namen ohne Genehmigung dafür verwendet!“
„Ah, wir haben es falsch verstanden. Die Revolution war ein Projekt von Militär und Vodafone. Hätten sie uns das mal früher gesagt, dann wären wir zu Hause geblieben!“ „Hey Vodafone, ihr seid schuld, dass das ungeborene Baby meiner Freundin gestorben ist, sie ist verblutet, weil wir keinen Krankenwagen rufen konnten!“ Viele Angehörige oder Freunden von während der Revolutino getöteten meldeten sich zu Wort – viele von ihnen hätten überlebt, wenn telefonieren per Festnetz oder Handy möglich gewesen wäre. Weitere Kommentare und Infos unter anderem auf der Seite IhateVodafoneEgypt.

Vodafone fuehlte sich gezwungen zurueck zu rudern: Es veroeffentlichte eine Erklaerung, in der es erklaerte, Vodafone sei nicht verantwortlich fuer den Inhalt des Videos. Das Video sei von der Werbeagentur JWT erstellt worden und nur fuer internen Gebraucht, nie zur Veroeffentlichung gedacht gewesen.

Ergänzung: Brisant ist auch, dass alle Telefonanbieter (Vodafone, Etisalat, Mobinil etc.) für die Ausfälle während der Telefonabschaltung entschädigt werden sollen – Technologie-Minister Maged Othman zufolge sollen sie rund 100 Millionen Pfund erhalten. Und dass das nicht das erste Mal war: Bereits während der heftigen Streikwelle in Mahalla 2008 wurde diese Aktion geplant und erprobt

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