No justice for Adly?!

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The trial against Habib Al-Adly, Mubarak’s interiour minister for 13 years, has been postponed again on Sunday.

Riots broke out in front of the court building in New Cairo. Protesters and relatives of the martyrs of the revolution had gathered there. Stones were thrown, seven police cars were destroyed, according to official news three military officers and one police officer got injured.

Habib Al-Adly was the interiour minister of Mubarak for 13 years, he commanded half a million security officers, the police as well as the State-Security that allegedly arrested, tortured and murdered citizens. He’s accused of ordering the police to shoot at demonstrators during the revolution and to send thugs to attack them, killing more than 800 and injuring at least 6000. In May he was sentenced to 12 years of prison in another trial for money laundering and stealing public money. In the ongoing trial about killing protesters he could be sentenced to death – if he is trialed. As the case was postponed after a few minutes for the second time, many protesters and families of victims are afraid officials try to save him from being sentenced. The next date for the process is now end of July.

Während der Revolution angeschossen. Foto: Hossam Hamalawy/@arabawy

„Er kam noch einmal nach Hause, um sich zu verabschieden“, erzählt die Mutter von Mustafa, die, ganz in schwarz gekleidet, spät an diesem Freitagabend auf dem Steinboden sitzt, „jedem einzelnen hat er einen Kuß gegeben, und als er zur ging, sagte ich: Das machst du doch sonst nicht, was ist los? Er sagte: Ich gehe zum Tahrir-Platz, wer weiß, was da passiert.“ Mustafa war 32, aber das Bild, das seine Mutter hält, zeigt einen fünfzehnjährigen Jungen, es ist das einzige das die Familie hat. Sie stammt aus einem der ärmsten Viertel von Kairo, ganz am Stadtrand gelegen. Mustafa hatte ein Studium abgeschlossen, aber er fand keinen Job, verdiente sich als Maler, Kellner, mit Gelegenheitsarbeiten. Heiraten konnte er nicht, er hatte kein Geld. Am 28. Januar, drei Tage nach Beginn der Revolution, beschloss er mit Freunden, sich den Protesten auf dem Tahrir-Platz anzuschließen. Doch er kam nie an: Als die kleine Gruppe eine Polizeistation passierte, eröffneten die Polizisten das Feuer auf sie. Mustafa rannte in die Seitenstraßen, die er kannte, wollte im Haus seiner Großmutter Zuflucht suchen. Doch der Polizist, der ihm folgte, war schneller: Mustafa hatte gerade den Hauseingang erreicht, da trafen ihn die Kugeln von hinten: drei in die Brust, zwei in den Kopf.
Der Staat hat 15.000 EP (ca. 2000 Euro) Entschädigung für die Familien der Getöteten versprochen. Erhalten haben sie bisher nichts. Aber darum geht es auch nicht, sagt Mustafas Mutter, die an diesem Abend vors TV-Gebäude am Nilufer in der Innenstadt gekommen ist um zu protestieren. Am nächsten Tag steht Habib El-Adly, Mubaraks Innenminister, erneut vor Gericht. Der letzte Gerichtstermin ist nach wenigen Minuten vertagt worden. „Wir wollen keine Entschädigung,“ sagen die Anghörigen der Getöteten. „Wir wollen Gerechtigkeit!“

Am Sonntag, den 26. Juni, ist der Prozess gegen Habib Al-Adly, Innenminster unter Mubarak, erneut vertagt worden.

Vor dem Gerichtsgebäude im Kairoer Stadtteil New Cairo kam es zu Straßenschlachten. Protestierende und Angehörige von während der Revolution Getöteten hatten sich dort versammelt. Steine flogen, sieben Polizeifahrzeuge wurden zerstört. Nach offiziellen Angaben wurden drei Militärpolizisten und ein Polizist verletzt.

Al-Adly diente unter Mubarak 13 Jahre lang als Innenminster, zuvor hatte er eine steile Polizeikarriere absolviert. Zuletzt kommandierte er über eine halbe Million Sicherheitskräfte, Polizei ebenso wie die gefürchtete Staatssicherheit, die willkürlich einschüchterte, verhaftete, folterte. Adly ist angeklagt, den Befehl gegeben zu haben während der Revolution auf die Demonstranten zu schießen und Schlägertrupps auf diese losgeschickt zu haben. Über 800 Menschen wurden dabei getötet, weit über 6000 verletzt. Im Mai ist er in einem zweiten Prozess wegen Geldwäsche und Geldhinterziehung zu 12 Jahren Haft verurteilt worden. In jetztigen Prozess könnte ihm die Todesstrafe drohen – wenn er denn verurteilt wird. Die wiederholte Vertagung nach wenigen Minuten lässt viele Protestierende und Anghörigen seiner Opfer fürchten, Vertraute in Militär und Regierung könnten ihn weiterhin vor einem Urteil schützen. Der nächste Prozesstermin ist jetzt für Ende Juli vorgesehen.

Photos: Hossam Hamalawy @arabawy

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