6. Oktober – das Militär feiert sich

Seit Tagen donnern Kampfjets und Hubschrauber über Kairo – Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten zum 6. Oktober, dem Tag des „Sieges“ im Oktoberkrieg. Ob in Fernsehen, auf Facebook oder Twitter: heroische Kriegsbilder dominieren das geschehen wie in diesen noch relativ sanften Clip der eigentlich alternativen und revolutionsnahen Nachrichtenagentur RASS

Überraschend kündigte das Militär am Mittwoch an, dass die Hauptfeierlichkeiten auf dem Tahrir-Platz stattfinden werden. Militäraufmarsch und Panzerparade auf dem Tahrir-Platz? Das kann man, je nach Standpunkt, als „Feier der Revolution“ sehen. Oder als Machtdemonstration des Militärs, das damit den Platz, der zuletzt vor allem Proteste gegen die Militärdiktatur gesehen hat, wieder für sich einnimmt.

Der wiedererwachte Nationalismus im Ägypten nach der Revolution führt zu heftigen Debatten unter Netz-Aktivist_innen ob man an diesem Tag nun eher zu Protesten ruft oder mitfeiert. Stellvertretend für die Fraktion der Patriot_innen kann hier die Meinung der Bloggerin Zeinobia stehen, die in ihrem Blogeintrag Argumente aus einer Diskussion auf Twitter wiederholt.

„I really hoped that the generation of January 25 Revolution celebrates as it should the generation of October 6th war but unfortunately what I see now is not from disrespect from some at least on twitter.“

„It is worth to mention that this disrespect is only limited to a very few compared the huge majority of Egypt that truly respect and love this day genuinely.“

„Whether you like SCAF or the Egyptian army or not , this is our victory and we are celebrating it for the first time with Hosni Mubarak who truly killed the spirit of October 73 with his fake claims of heroism and the hypocrisy of those surrounded him in the entourage.“

Es gibt aber auch andere Stimmen. Die Kritik am Militärrat SCAF bedeutet nicht automatisch Kritik am Militär und viele Demonstrant_innen betonen weiter, dass sie zwar den SCAF ablehnen, das Militär jedoch an sich unterstützen. Dennoch hat die Beschäftigung mit der Rolle des Militärs und die beginnende Diskussion über dessen Einfluss in Land und Politik den Grundstein gelegt für kritisches Hinterfragen.

„Was soll diese Air-Show? Das Militär demonstriert nur seine Macht. Die 13 Millionen Pound hätte man für die Krebsforschung verwenden können oder was anderes Sinnvolles“

häufen sich in am Tag vor dem Feiertag die Kommentare. Die Bewegung 6. April hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie mit harschen Worten die Feier auf dem Tahrir kritisiert. Zu Protesten ruft sie jedoch nicht auf – ob dies aus Überzeugung geschieht, um die „patriotische Mehrheit der Bevölkerung“ nicht gegen sich aufzubringen oder aus Angst vor Verfolgung, bleibt offen.

Share
  • Facebook
  • Twitter
  • email
  • Google Bookmarks
  • PDF