Maikel Nabil Sanad: Kritik ist nicht verrückt

Der Prozess gegen Maikel Nabil Sanad, seit Mai inhaftierten Blogger und Militärkritiker, ist vergangene Woche wiederaufgenommen worden – und Sanad wurde zum Entsetzen seiner Familie und Unterstützern vom Militärgericht zwangsweise in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Es bestehe laut Militärgericht Zweifel an seinem Geisteszustand, dies soll nun in 45 Tagen überprüft werden – vermutlich soll mit dieser Maßnahme auch sein seit über 50 Tagen andauernder Hungerstreik zwangsweise gebrochen werden.
Informationen an die Öffentlichkeit wurden zunächst scharf unterbunden – eine halbe Stunde nach bekanntwerden des Urteils wurde die Nachricht plötzlich aus allen (auch englischsprachigen) ägyptischen Zeitungsseiten gelöscht und tauchte erst nach Tagen vereinzelt wieder auf, neuere Informationen zu seinem Zustand liegen nicht vor. Sein Gesundheitszustand war zuletzt kritisch, vor der Wiederaufnahme des Prozesses hatte er sich jedoch mit einem Brief nochmals an die Öffentlichkeit gewandt, in dem er an seiner Kritik am Militär und dem ungerechtfertigten Verfahren gegen ihn festhält und ankündigt, er werde den Hungerstreik fortsetzen, bis er tot oder in Freiheit sei. Kommentatoren äußerten sich entsetzt über die Verlegung in die Psychiatrie – wird jetzt jede Kritik an der Regierung als „verrückt“ zurückgewiesen? fragten Blogger im Netz.

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