UPDATE Goethe goes offline

Das Goethe-Institut Kairo ist unfreiwillig zum Sprachrohr der jungen ägyptischen Revolutionäre geworden, die gegen die Militärherrschaft aufbegehren – durch seinen Blog Transit, auf dem seit einem Jahr jungen Menschen aus und in der Region über die Umbrüche schreiben. Eine Rolle, in der sich das Institut, das dem deutschen Außenministerium untersteht, gar nicht wohlfühlte…

Nachdem das Goethe Institut in Kairo überraschend den bekannten Blog „Transit“ abgeschaltet hatte, auf dem seit einem Jahr junge Menschen über die Revolution schreiben, hagelte es Zensurvorwürfe. Kritiker riefen für Mittwoch unter dem Motto „Besetzt das Goethe-Institut“ zum Protest auf.

Keine halbe Stunde, nachdem sich die Demonstranten dort versammelten, entschuldigte sich die Leitung und stellte den Blog wieder online – inklusive zweier Artikel, die wegen ihrer kritischen Haltung gegen das herrschende Militär zurückgehalten worden waren. (weiter in der taz)

„Im Gegensatz zum SCAF [Militärrat] bringt bei denen Protest wenigstens was“, urteilte eine Aktivistin nach der Aktion auf Twitter…

Jetzt ist Transit wieder online – die Entschuldigung des Goethe-Instituts kann man dort lesen. Neue Artikel sind allerdings bisher auf dem Blog nicht erschienen – es ist zu vermuten, dass noch nicht wirklich entschieden ist, wie es mit dem umstrittenen Blog weiter geht.

UPDATE (30. Mai 2012): Die Proteste hatten nur kurzfristig Erfolg. Der Blog wurde wieder online gestellt, inklusive der zwei zuvor geblockten Artikel. Aber neue kamen seither nicht dazu, die Arbeit wurde nicht fortgesetzt. Die Mitarbeiter_innen des Blogs haben das Goethe-Institut alle verlassen, der letzten wurde kürzlich gekündigt. Der Blog soll in der jetzigen Form vom Netz genommen werden, im Oktober soll er möglicherweise „mit neuem Konzept“ starten – dass es ein weniger regime-)kritisches ist, ist angesichts der aktuellen Politik des Goethe-Instituts zu erwarten.

Share
  • Facebook
  • Twitter
  • email
  • Google Bookmarks
  • PDF