Archiv der Kategorie 'Media'

UPDATE Welcome to Egypt!

Ägypten war mal berühmt für seine Gastfreundschaft, und mit der pflegte das Land auch fleißig Werbung für sich zu machen. Mit der neuesten Kampagne der Militärregierung dürfte das wohl bald endgültig Geschichte sein: Seit Monaten schürt diese die Stimmung gegen (westliche) Ausländer und macht „feindliche Kräfte aus dem Ausland“ (sei es aus den USA, Israel oder der EU) für die andauernden Proteste im Land verantwortlich. Seit einigen Tagen setzt die Militärregierung jetzt noch eins drauf und hat im Staatsfernsehen die Kampagne „Jedes Wort hat seinen Preis“ gestartet.
Die sieht zum Beispiel so aus (Übersetzung bzw. Zusammenfassung drunter):

„Er kommt ins Café. Er weiß genau, was er will…Wir sind berühmt für unsere Gastfreundschaft und sprechen immer sofort mit jedem…“
(junge Frau fängt an, die anderen fallen ein): „Heute habe ich in der U-Bahn gehört, wie jemand über das Militär gesagt hat…“ „Es gibt Probleme mit der Gasversorgung, und die Preise sind hoch…“ „Really?“
Am Ende der Ratschlag: „Pass auf was du sagst. Jedes Wort hat seinen Preis. Ein Wort kann unser Land retten oder es zerstören.“

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Das Horror-Szenario

„Al-Jazeera: Tausende gehen auf die Straße. Der neue Präsident Ahmed Shafiq ruft die Opposition auf, die Proteste einzustellen“ (satirische Grafik aus dem Netz)
„Al-Jazeera: Thousands take the streets. The new president Ahmed Shafiq is calling the opposition to stop the protests“ (satirical graphic from the internet).

Vom „Albtraum“ sprachen liberale Zeitungen, vom „schlimmsten möglichen Szenario“. Das war letzten Montag – und es ging noch nicht um das Urteil für Ex-Präsident Mubarak, sondern um die Ergebnisse der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen.

Mohamed Mursi, linientreuer Kandidat der islamischen Muslimbrüder: 25 Prozent. Ahmed Shafiq, Luftwaffengeneral, Mubaraks langjähriger Minister und letzter Premierminister: 24 Prozent. Die Ergebnisse der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 24. und 25. Mai hätten die Reste der Revolutionsbewegung in tiefste Verzweiflung stürzen müssen – wenn sie nicht angesichts der Entwicklung der letzten Monaten nicht schon gewohnt wäre, mit schockierenden Neuigkeiten umzugehen – sei es durch ebenso radikalen wie verzweifelten Widerstand oder der Flucht in die Satire. Wobei obenstehendes Bild wohl weniger als Satire gemeint ist denn als bitterböse Karikatur, was das Land erwartet, wird Shafiq als Sieger aus der Stichwahl am 16. und 17. Juni hervorgehen: Proteste, die vermutlich noch weit über das hinausgehen, was das Land in den letzten eineinhalb Jahren gesehen hat.

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UPDATE Goethe goes offline

Das Goethe-Institut Kairo ist unfreiwillig zum Sprachrohr der jungen ägyptischen Revolutionäre geworden, die gegen die Militärherrschaft aufbegehren – durch seinen Blog Transit, auf dem seit einem Jahr jungen Menschen aus und in der Region über die Umbrüche schreiben. Eine Rolle, in der sich das Institut, das dem deutschen Außenministerium untersteht, gar nicht wohlfühlte…

Nachdem das Goethe Institut in Kairo überraschend den bekannten Blog „Transit“ abgeschaltet hatte, auf dem seit einem Jahr junge Menschen über die Revolution schreiben, hagelte es Zensurvorwürfe. Kritiker riefen für Mittwoch unter dem Motto „Besetzt das Goethe-Institut“ zum Protest auf.

Keine halbe Stunde, nachdem sich die Demonstranten dort versammelten, entschuldigte sich die Leitung und stellte den Blog wieder online – inklusive zweier Artikel, die wegen ihrer kritischen Haltung gegen das herrschende Militär zurückgehalten worden waren. (weiter in der taz)

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Zwei Nachrichten

…an einem Tag:

1) Zwei Zivilisten wurden von einem Militärgericht zum Tode verurteilt, weil sie im Februar 2011 einen Soldaten getötet hatten. Drei andere Angeklagte wurden zu lebenslänglicher Haft verurteilt, zwei zu 15 Jahren und acht zu 10 Jahren. Die Angeklagten hatten den Soldaten angegriffen, weil er zuvor den Sohn eines der Angreifers erschossen hatte.

Brisant ist dabei vor allem: Bis heute wurde kein einziger (!) Polizist oder Soldat verurteilt, der während der Revolution im Januar und Februar 2011 Zivilisten getötetet hatte – mindestens 800 verloren während der 18 Tage der Revolution ihr Leben. Der einzige Polizist, der (in Abwesenheit) verurteilt wurde, wurde in einem zweiten Prozess freigsprochen.

2) Und gerade die Nachricht: 12 der bekanntesten politischen Akteure der Revolutionsbewegung, darunter Präsidentschaftskandidaten, Abgeordnete, Journalisten und Schriftsteller, werden vor Militärgerichten angeklagt, „Hass gegen den Militärrat zu schüren“ und eine Verschwörung gegen den Staat zu planen.

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Vor dem 25. Januar

Ein Jahr Revolution. Morgen, am 25. Januar, wird der Tahrir-Platz ein Spiegel sein, der den Zustand Ägyptens ein Jahr nach Beginn der Revolution zeigt. Was wird geschehen? Es lässt sich so wenig sagen, wie es sich vor einem Jahr sagen ließ. Wird es blutige Zusammenstöße geben, wird das Militär das zu verhindern wissen, um das Bild der Revolutionsfeiern nicht zu stören? Wird es der Auftakt zu einer nächsten Welle der Revolution – oder deren Ende?

Wenn man heute die Mobilisierungsvideos für den 25. Januar anschaut, etwa das oben (dank an den anonymen Kommentator, der es mir zugesandt hat), so finden sich darin dieselben Bilder, die seit einem Jahr für Videos dieser Art, mehr oder weniger professionell zusammengeschnitten und mit Musik unterlegt, verwendet werden. Die 18 Tage Revolution, die zu Mubaraks Rücktritt führten, sind noch immer der Ausgangs- und Referenzpunkt aller politischen Aktivität in Ägypten, auch wenn neue Bilder zurück hinzugekommen sind: die Bilder der Proteste im Juli, vor allem aber im November und Dezember. Ein Unterschied aber fällt ins Auge, vergleicht man die jetzigen Zusammenschnitte mit denen aus dem Frühjahr. Keine Panzer sind mehr zu sehen, auf denen die Protestierenden tanzen, keine Verbrüderungen und Küsse zwischen Demonstranten und Soldaten. Die Zeit der großen Einheit, der Einheit des Volkes, aber auch der Einheit des Volkes mit der Armee, sind passé.

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The Plot to topple the state…

The preparation for tomorrow, Jan 25 , are underway – on each side. More infos later, for the beginning an article from journalist Sherrif Kouddus, published in Al-Masry Al-Youm:

As the first anniversary of the Egyptian revolution approaches, the Supreme Council of the Armed Forces (SCAF) is continuing to issue shrill warnings of a plot to topple the state. The most direct came from Field Marshal Hussein Tantawi himself, when he said last week, „Egypt is facing grave dangers it has not seen before.“ He added, „The armed forces are the backbone that protects Egypt. These schemes are aimed at targeting that backbone.“

Tantawi is right. There is a plot to topple the state. Egypt’s revolution has evolved from an uprising that ousted President Hosni Mubarak into a deeper struggle aimed at uprooting the military regime that has ruled the country for the past 60 years and served as the backbone of its modern autocracy. Since 1952, the army has enjoyed a special autonomy in Egypt, both political and economic, above any civilian control or oversight. It is this very autonomy and privilege that the revolution is now targeting and has the military council talking of a threat to destabilize the country.

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The Dark Days

Blogger Sandmonkey wrote a long post after being ‚absent‘ for two month while he was doing his campaing as a candidate for the parliament elections. „I have been silent, I have been tied up by advisors over what you can and cannot say during an election. This is over. „

The article he put online now contains a lot of new and very interesting information and thoughts, about the disconnect of people and movement, the different and violent reality of Suez compared to Cairo, and the elections: They are being frauded, he says. And they are being frauded a lot. There were tons of votes found thrown in different cities, he was offered „help“ for his campaign to, he saw how the army was helping the Salafis in Suez in the campaign and in counting the votes to get them seats. (Why the Salafis??? he explains it quite reasonable in the text).

But apart from this it is also a very personal record of the state of the movement and one of its most critical and special analyst (and protagonist).

    „Lately I have been hard to reach, even when I am surrounded by friends and loved ones. I don’t want to talk or think, my brain is a merry-go-round of ideas and knowledge that I wish were not there. 2 weeks ago I was noticing how everyone around me is falling apart: physically, psychologically, and emotionally. And the worst part is the helplessness you feel, knowing that you can’t offer them any real comfort or solution. We are in the shit. The Dark Days.“
    (read the whole articele on Sandmonkey’s page)

On n‘oublie rien…


Tahrir Square, December 17, 2011

Am 17. Dezember um 19.30 Uhr schickt Pierre Soufi, berühmter Künstler, Kunstprofessor und mit seiner immer offenen Dachgeschosswohnung über dem Tahrir einer der nachhaltigsten Unterstützer der Revolution, den Link zu einem Lied von Jaques Brel über Twitter: „Playing now: On n‘oublie rien, on ne que s‘habitue…“

Das Lied zum Ende der Revolution?

Während Jaques Brel über das Nicht-Vergessen-Können singt, darüber, dass man sich nur gewöhne an den Schmerz, zerschlagen Soldaten 9 Stockwerke unter Soufis Appartement die Reste der Bewegung, die vor 10 Monaten den Präsidenten Mubarak stürzte und damit das Militär, das bisher nur im Hintergrund herrschte, an die Macht brachte. Damals, als die Demonstrant_innen Soldaten küssten, ihnen Rosen reichten und ihre Neugeborenen, hätte wohl kaum jemand erwartet, so bald die Bilder zu sehen, die jetzt durchs Netz gehen, Bilder von einer solchen Brutalität, Arroganz, Zerstörungswut, dass selbst die, die bisher noch immer, in blinder Hoffnung, vielleicht auch größter Naivität und Einfalt, immer noch das Militär verteidigt hatten, ihm zumindest eine Chance geben wollten, sprechen offen von einem „Militärputsch“ bzw. dessen endgültiger Manifestation.

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The war against the bloggers

December 4 the syrian blogger Razan Ghazzawi was arrested by Syrian authorities at the border to Jordan when she wanted to leave the country to attend a conference in Amman. Razan lived in Cairo for some months, I met her there, according to what she told us she already left Syria because she was unter threat, why she finally decided to go back I don‘t know. Razan was one of the few bloggers who wrote under their real name, already before the protest in Syria started in march, she was blogging about feminist topics and homosexuality, later the revolution in Syria, the questions how to organize the protest, how to support the prisoners were here main topics. She worked quite closed with some western NGOs and attended several conferences (what she saw quite critical herself according to this articel (german). Her collegue and friend blogger Hussein Ghrer just got free december 1st after being detained for 37 days – the good news was the last post on her blog before she got arrested herself.

The campaign #freerazan started right after her arrest and spread fast – Razan was a prominent member of the trans-arabic young blogger szene, she was well connected to bloggers and human rights activists in several other countries. It didn‘t help her: After being in jail for 11 days she was charged on wednesday. The accusations were: 1.establishing organization that aims to change social & economical entity of the state; 2.weakening the national sentiment and 3.trying to ignite sectarian strife. if she would be charged this would mean 15 years in jail. According to her sister, the case is postponed to Saturday. For further info read the report of Reporters without borders with links to the campaign pages, one of the campaign pages and more tips how to support Razan.

The reactions from the blogger community ranged between shock and speechlessness. Not only because of the arrest of Razan – she is part of the war against the bloggers that is going on in several countries at the same time.
Alaa Abd El-Fattah, one of the most famous egyptian bloggers just got his detention renewed today. It’s seems the egyptian military is unwilling to let him free – and it seems that the charge of „insulting the army“ is more dangerous in Egypt at them moment than the charge of killing. While the public prosecutor let all the people free today who were arrested in the Maspiro events 9th of october, Alaa is still in Tora prison, because he is „facing different charges“.
Wednesday, the same day Alaa got another 15 days of detention, Maikel Nabil Sanad, already in jail since April, was judged by a military appeal court again to two years in prison, one year less than he got in April for writing a blog post analyzing the role of the egyptian army during the revolution. Sanad is in hunger-strike since august (short articel in taz, GPMagazin/Connection e.V.).
Today, Bahrein blogger and activist Zainab Alkhawaja got arrested when she staged a sit-in in a traffic circle (see the youtube video).

#freealaa #freezainab #freerazan #freemaikel

In a time where in countries like Egypt the offical press is again and in Syria still censored and under control of the government, free speech and critics in the internet seems to be the biggest threat for the ones who are ruling by brutality, aggression and lies…

Battle in Egypt


Al-Jazeera Egypt around midnight: Street battle in the centre of Cairo, minister of health speaks of 507 injured, the government therewhile is busy with discussion about general lines for the constitution draft.

Not only in Cairo: Since Sunday morning street battles all over egypt, reports of two dead and several hundreds injured. In Suez protesters attacked a police station, the military went in, live ammunition is been used. Ongoing street fights in Alexandria and in Cairo between protesters and riot police, apparently a fire in a building beside Tahrir Square. The military is calling the people to support the government in this hard times against this attack to destroy the country.

Yesterday hundred thousands joint a peaceful demonstration to call the military to leave and to give power to a civil government. But the demonstration against military rule was used by parties and candidates for the upcoming elections, from liberal parties to the muslimbrotherhood and islamist salafis, they built up several stages and hold speeches, but in the evening, at the time to occupy the square and start the protest, called to leave. Just a small number of activists stayed there and was attacked at night, first by thugs, later by the riot police (csf) that in the morning took the square and closed the inner circle to prevent further protest, like it happened before in august.

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